Montag, 25. Juli 2005

literaturbetrieb, lustig

franz josef czernin, hohepriester der avantgarde, nennt in der aktuellen kolik (nr. 30) christoph ransmayr, säulenheiliger des pathos, einen wixer. über ein interview mit ransmayr:

Dem Schöpferischen nähert man sich nicht nur untertänigst, sondern auch in Klischees, und also fragt man: Ist das bei einem Ransmayr auch so wie bei einem Muschg, nämlich dass die Romanfiguren lebendig werden und ihren eigenen Willen haben?

Der Schriftsteller, der sich nicht recht gegen diese Frage zu wehren weiß, erzählt brav von seinen diesbezüglichen Erfahrungen. Und gibt uns, in aller Bescheidenheit, damit zu verstehen: Ich habe es wieder geschafft, nein, wieder einmal geschaffen: Eben war da noch ein Batzen Vorstellungslehm, und schon springt unter der Hand ein lebensechter Mensch heraus. Und wenn der Mensch ein Weib ist, kann ich mich sogar in ihn verlieben!

Ja, das Schöpferische ist eine kreatürliche Lust oder ein kreatürlicher Schmerz, es ist eine elementare Urkraft. Da kann sich eine rechte Schreibhand schon glücklich schätzen, wenn sie nicht mehr weiß, was die linke tut, wenn sie eben deshalb das Lebensechte selbst hervorbringt.

nächsten monat: xaver bayer nennt daniel kehlmann einen koffer, robert schindel nennt robert schneider einen versager, felix mitterer nennt michael köhlmeier einen vorarlberger.

weiter so!

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kid37 - 30. Jul, 00:33

"Vorarlberger", das muß ich raten, ist sicher sehr, sehr böse. Ansonsten geht es im Literaturbetrieb natürlich nicht anders zu als unter Bloggern. Sehr schön, dann ist Leben drin.

gingerbox - 30. Jul, 02:05

sie meinen, auch literaten schreiben, manchmal, mehr oder weniger angetrunken vor sich hin, packen möglichst viel, zum beispiel, grant in möglichst wenig text und veröffentlichen alles just for the heck of it möglichst gleich und auch ohne sich von leisen zweifeln unter der dusche am nächsten morgen nachträglich noch irgendwie zur milderung verleiten zu lassen? (frau jelinek hat sogar einmal von „vervorarlbergerisierung“ geschrieben, wenn ich mich recht erinnere.)
kid37 - 30. Jul, 22:58

Literarische Fehden sind so alt wie die Literatur. Und so gesehen, ist die Literatur nur ein weiteres Schlachtfeld menschlicher Fehden. (Maler produzieren parodistische Bilder oder stellen den Herrn (oder die Frau) Malerkollegen/-in in diffamierende Zusammenhänge auf die Leinwand...)

Das Wort oder die Kunst ist ein spitzer Degen. Einer der ersten englischen Romane, Richardsons moralisch-erbaulicher "Pamela", wurde im selben Jahr noch als "Shamela" parodiert und genüßlich zerlegt. Das macht die Damen und Herren Künstler irgendwie auch menschlicher - und sympathischer, finde ich.
gingerbox - 31. Jul, 16:46

mir gefällt daran eher die kunstvolle form. sich vier absätze zeit zu nehmen, um herrn ransmayer eins reinzusemmeln, hat eine gewisse eleganz, besonders wenn es sich dabei im grunde um einen kommentar der simpelsten sorte handelt. oder gerade deshalb. auch die verspottung des namens ist ja eine schöne alte tradition, die bis in die antike komödie zurückreicht (weiß die kolik) - wenig subtil, aber gerade deshalb gut, wenn sie richtig eingesetzt wird.

gelungenen parodien und polemiken sind ein vergnügen. besonders sympathisch finde ich dieses vergnügen nicht, menschlich ist es allemal, und darauf verzichten würde ich ungern (auch wenn mir manchmal etwas kalt dabei wird).
kid37 - 1. Aug, 00:39

No games with names heißt eine alte Journalistenregel. Aber manchmal macht es irren Spaß...
gingerbox - 1. Aug, 12:54

mir scheint, mein herr, sie sind manchmal auch ein veritabler kindskopf ;-)

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