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fluessig lesen

Donnerstag, 29. Oktober 2009

...

schiefgelesen
oder lieber
unfrisch?

Dienstag, 8. September 2009

kulturelle miscellen

mal überlegen: welcher verlag wäre imstande, die schlacht zwischen kiepenheuer & witsch und hanser um den mostertruckroman der saison zum dreikampf aufzupumpen? wer hat einen mehrtausendseitigen wälzer eines tragisch verstorbenen herrn in der schublade und zimmert drumherum auf die schnelle auch noch einen mitmach-leseplan mit blog, community und allem pipapo (1, 2)? suhrkamp? residenz? klett-cotta? ich weiß nicht. was ich noch weniger weiß: was soll ich denn jetzt lesen? für beide habe ich auch in der bildungskarenz nicht genug zeit. vielleicht ganz was anderes - den proust?

*****
am wochenende in linz gewesen, um bei der ars elektronic etwas über "human nature" zu erfahren. das glückte auf paradoxe weise, denn die menschliche natur ist ja erstaunlich beharrlich in ihren vorlieben und ihrer funktionsweise. als am nachmittag die tierpuppen durch die stadt bewegt wurden, die am abend in der klangwolke ihren auftritt haben würden, war tout linz auf den beinen, inklusive kind und kegel und internationalem logisgast, und blinzelte begeistert. die wahrnehmung von puppen - und von tierpuppen in noch größerem maß, besonders wenn die menschen sichtbar sind, die sie bewegen - springt ständig zwischen natur und kunst hin und her. dass etwas von menschen erschaffenes "wie lebendig" wirkt, ist ein so großes vergnügen, weil es vergessen lässt, dass die kontrolle über die natur/die natürlichen lebewesen ein akt der herrschaft ist. in der tierpuppe kann ich das rätselhafte anderssein des tierischen verhaltens genießen, ohne am tier schuldig zu werden. denn jedes lebende tier, mit dem ich interagiere - sei es aus wirtschaftlichen gründen oder zum bloßen vergnügen - zeigt mir immer auch seinen charakter, seine freude und seinen schmerz, in denen ich meinen eigenen charakter und meine emotionen wiedererkennen kann. gleichzeitig bleibt es mir zu einem gewissen ausmaß immer fremd und verfügt, insbesondere als "wildes tier", über eine autonomie, die mich beunruhigen muss, weil sie der sprache nicht zugänglich ist. (anders gesagt: wenn der löwe auf dich zurennt, ist es nicht klug, mit ihm diskutieren zu wollen.) diese autonomie hat die puppe nicht, und sie fasziniert uns, weil wir das aus irgendeinem wahrscheinlich im reptiliengehirn angesiedelten instinkt heraus nicht ganz glauben können. wir vertrauen darauf, dass die gesten des angriffs, die die puppe vollführt, keine bösen folgen haben werden, wir genießen unsere instinkte und können das, weil der verstand uns beruhigt: es ist alles nur theater.

umso langweiliger fand ich deshalb auch den geminoiden: eine menschenpuppe, deren antworten von einem dem blick des ihr gegenübersitzenden menschen entzogenen dritten in ein mikrofon gesprochen wurden. hier ging es nur um die technische kunstfertigkeit, einem gerät auch unwillkürliche menschliche bewegungen beizubringen, denn die sprache stammte von irgendeinem xandl aus alhaming, der sich gerade einen platz am eingabeterminal erkämpft hatte. die szenerie erinnerte mich an kirtag und prater und, wie so vieles im ars elektronica center, an das 19. jahrhundert.

das muss gar nichts schlechtes sein: arthur gansons arbeiten, insbesondere die betonmaschine, vermitteln ein gefühl davon, wie einfache mechanik die grenzen meiner wahrnehmung ebenso wie meiner vorstellungskraft überschreitet. das hat nichts mit digitalem leben oder mensch-maschine-interfaces zu tun, nichts mit cyborgs (hallo 90er-jahre!) und nichts mit genetik. es zeigt nur, dass mechanik das ganz andere ist, das wir schon länger kennen, als wir meinen.

klangwolke09-jpg

Sonntag, 2. August 2009

erklärt pamela

zweimal hatte sie versucht, "das buch der unruhe" zu lesen, aber nie einen zugang dazu gefunden und es schließlich enttäuscht und etwas verärgert weggelegt, erklärt pamela. deshalb erschien es ihr schließlich doch akzeptabel, ein buch eines italieners über lissabon zu lesen, zumal ihr freund es schon auf dem nachttisch liegen hatte und seine portugiesische gastwirtin begeistert davon war. sie las also antonio tabucchis "lissaboner requiem" an einem heißen sonntag nachmittag zu ende und versuchte seither zu verstehen, warum diese literatur so stark auf sie wirkte.

sie wusste, mit welchem kalkül der text gebaut worden war, erklärt pamela. sie konnte die postmodernen spielereien erkennen, die referenzen auf andere texte und autoren, und sah, dass sich hier kein bedrängtes herz luft verschaffte, sondern ein wacher geist kulissen gebaut hatte, um seine figuren darin auftreten zu lassen. gleichzeitig empfand sie bei der lektüre und auch danach eine wohltuende körperliche traurigkeit, die ihr ermöglicht hätte, jederzeit loszuweinen. sie dachte an ein fernsehinterview mit michael caine, in dem er seine methode erklärte, auf kommando vor der kamera weinen zu können. er benutzte dafür ein bestimmtes trauriges ereignis, beziehungsweise die erinnerung daran, die er so steuern konnte, dass er die damit verbundenen gefühle zu jedem gewünschten zeitpunkt empfinden und auch wieder beenden konnte. pamela fragte sich, ob dieses buch ein solcher "trigger", ein auslöser für sie sein könnte. als sie einmal auf dem fahrrad saß und also unbeobachtet war, dachte sie "isabel" und "wie hieß dieser andere typ, der freund, irgendwas mit t", sie dachte daran, dass beide tot waren, sie dachte an das zerfallene haus, und tränen liefen ihr über das gesicht, aber sie wusste nicht, ob es tränen der trauer oder tränen des glücks waren. das fiel ihr in letzter zeit ohnehin zunehmend schwer zu unterscheiden, erklärt pamela. dann stellte sie das weinen wieder ein.

pamela starrte auf die seiten und versuchte, das geheimnis dieser sätze zu verstehen. tabucchi verwendete gerne satzgirlanden, verband mit beistrichen, was durch punkte voneinander getrennt werden könnte oder sogar sollte, sie machte das selbst manchmal ganz gern, beim lesen ging es ihr allerdings auf die nerven, erklärt pamela, und sie fragte sich, ob es die dadurch ausgelöste atemlosigkeit sei, die dennoch diese starke reaktion verursachte, dass man im wortfluss des erzählers mitschwamm und darin so geborgen war, dass man die gerüste der persönlichkeit aufgeben und ganz empfindung sein konnte, vielleicht war es das. natürlich waren da auch die vielen motive von trauer und verlust, erklärt pamela, aber die wurden sehr ruhig und fast sachlich beschrieben. es beeindruckte sie, dass tabucchi davon erzählen konnte, ohne kitschig zu sein. so empfand sie es jedenfalls.

am öftesten rief sie sich die episode im "requiem" in erinnerung, in der der erzähler eine verfallene villa besucht, in der er offenbar mit ihm lieben menschen gelebt hat. er legt sich in ein bett, in dem er früher oft gelegen ist, und starrt in den himmel über ihm. längst ist das dach zerstört und das haus eine ruine, dem zerfall preisgegeben, aber sie meinte, wie er das blau des himmels zu sehen.

häuser sind abbilder der seele, erklärt pamela, und dieses bild war, als stammte es aus einem traum. sie wusste, dass man nachts aus harmlosen träumen in tränen aufwachen konnte und nichts dabei beweinte, als nur, seine eigene existenz in all ihrer schutzlosigkeit empfunden zu haben. vielleicht war es das, erklärt pamela, aber sie sagt nicht weiter, was sie damit meint.

antonio tabucchi, "lissaboner requiem" und "erklärt pereira", beide übersetzt von karin fleischanderl, dtv.

Mittwoch, 21. Januar 2009

noch mehr bücher

nicht so dollo: das hier. weiß gar nicht, was der mann mir sagen will. außer, wen er alles so getroffen hat in lateinamerika, und das ist mir doch ein bissl zu wenig. wenn man ihn live hören will, kann das aber ganz gut gehen, denke ich, denn aufmerksam geworden bin ich auf ihn durch eine radiosendung, in der er sehr witzig und ganz überzeugt von seinem leben erzählte (podcast hier). erst war ich fast beseelt - man ist ja so dankbar, wenn ein autor gut reden kann -, später immer ambivalenter:
"was glaubst du, wie lang könnte man ihn um sich herum ertragen?"
"ich schätze, zwei abende."
schätze ich auch.

hacke
ganz wunderbar hingegen das hier: ein vademecum häuslicher heiterkeit, zum schmunzeln einlädt und mit feiner und doch liebevoller klinge den alltag beschreibt. oder, mit anderen worten: mehr als bello.

Dienstag, 6. Januar 2009

die merowinger

Es war sich Pelimbert bis in den untersten Wurzelgrund seines Denkens - den er in seiner Einsamkeit nicht selten erreichte - darüber im Klaren, daß die Art, wie jene Zeit, die nun heraufkam, das Leben betrieb, hierin bis zu einem Grade der Lächerlichkeit gelangt war, auf welchen ein Mensch, dem das blinde Schicksal nun einmal das zur Notdurft Erforderliche zugeworfen hatte, nur damit antworten durfte, daß er sich jeder wie immer gearteten Tätigkeit enthielt, um nicht durch sie eine bereits unwürdige und abstoßende Lächerlichkeit noch zu vermehren. Denn in ihr würde nunmehr, und für eine lange Zukunft, alles und jedes enden müssen: die Ernsthaften und die Arbeitsamen, die Strebsamen und gar die Erfolgreichen und Arrivierten mit allem ihrem Kram. So galt es denn, rechtzeitig jedermann hinauszuwerfen, in gelassener Haltung auf dem Sofa oder vor der leeren Schreibtischplatte zu verweilen, neben jenes oder auf diese die Flasche zu stellen und so zu verharren, gewissermaßen in Mission Null, die einem Menschen heute allein dadurch schon diskret aufgetragen ist, wenn er zu essen bekommt, ohne zu strampeln. So dachte Pelimbert, und hielt sich (wie uns scheint übrigens mit einigem Rechte) keineswegs für einen Nihilisten, sondern eher für einen Bewahrer, der allein damit, daß er der alles zerfressenden Lächerlichkeit seinen Beitrag verweigerte, durchaus genug geleistet zu haben vermeinte.

Sonntag, 30. November 2008

gutes buch

knacks

besonders am anfang, als er über die todeswünsche der kinder schreibt, eröffnet mir das buch manches neu. hin und her springt er in der folge, schwurbelt einiges verquast hin, was ganz einfach gesagt werden könnte, und auch die personen, die mit ihren anekdoten und schönen kleinen szenen vorgestellt werden, sprechen für meinen geschmack zu sehr eine einzige sprache: seine. wäre er nicht so ein sympathischer quatschi und offenbar herzensguter, jedenfalls höflicher mensch, wäre das wahrscheinlich nur schwer zu ertragen. aber ich würde es auch so gern glauben, dass irgendwo da draußen leute leben, die ihre verhältnisse und gefühle in diesem hohen, tiefgründigen ton besprechen.

Donnerstag, 6. November 2008

ganz okeyes buch

978-3-552-05440-0_284311748-56

nur schade, dass die ehrgeizige frauenfigur eine rechte politikerin ist.
da vermischt sich die kritik an der "unaufrichtigen" politik mit kritik an politischer haltung.
hätte aber auch gröber schiefgehen können.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

gutes buch

9783938424_278

schnell. hart. tapfer.

Montag, 15. September 2008

gutes buch

12508

Montag, 4. Februar 2008

wow

geile verlagsästhetik (reinklicken bitte): ich krieg herzklopfen. mal sehen, was die bücher können.

liquid center

fließende inhalte in starren formen

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