mengenlehre

Sonntag, 2. Januar 2011

Alle Toten fliegen hoch

Es war ein raues, räudiges Jahr, mein erstes Jahr in Stuttgart, anstrengend und ortlos, mit aller Kraft um Kontrolle bemüht. Allein im ersten Halbjahr bin ich zehnmal zwischen Stuttgart und Österreich gependelt. Ich war in Istanbul, in Zürich, im Schwarzwald, im Böhmerwald. Ich habe einen neuen Beruf gelernt, eine Ausbildung abgeschlossen, einen Job gekündigt, einen neuen gefunden. Ich habe aufgehört, Tiere zu essen, ich habe so wenig geraucht, getrunken und geschrieben wie seit Jahren nicht mehr. Ich habe eine Häkelarbeit begonnen und sie bis jetzt noch nicht fertiggestellt. Ich schreibe nicht mehr klein.

Im April haben wir H.s Vater begraben. Er hat sich für die Feier die Beatles gewünscht. Nachdem H. seine Rede gehalten und der Priester seinen Zauber veranstaltet hatte, saßen wir da in der Abschiedshalle und hörten die scheppernden Bläser von "All you need is love". Ich muss heute noch grinsen und könnte heute noch heulen.

Im Oktober ist meine Oma gestorben, kaum beweint, aber in Frieden gegangen. Im Sommer, als meine Mutter im Krankenhaus war, habe ich mich um Oma gekümmert, mit ihr gekämpft, ihre rasende Wut, ihre Sturheit und ihre falschen Dramen erlebt. Aber auch die stillen Momente der Hilflosigkeit, wenn sie müde und schwach auf dem Bett saß und ins Leere schaute, ein einsames Mädchen, das sich selbst nicht kennt und vielleicht niemanden kannte ihr ganzes Leben lang. Zum Schluss hat sie sich mit meiner Mutter versöhnt und sich bei meiner Schwester und mir entschuldigt: "Es tut mir leid." - Ich wollte es hören: "Was tut dir leid?" - "Für euch." - "Das ist schon in Ordnung", habe ich gesagt. Natürlich war nichts in Ordnung. Aber manchmal reicht es vielleicht auch, die Tür hinter sich zu schließen und das Chaos zu verlassen. Ich denke nicht böse an sie.

Neu anfangen. 2010 war auch das Jahr, in dem ich das Zusammenleben mit einem Partner kennen gelernt habe. Der H. hatte seinen eigenen Kummer, mit seiner Familie und im Job. Aber erst jetzt wird mir klar, wie viel Halt er mir gegeben hat und wie viel schwieriger alles gewesen wäre, wenn er nicht so wäre, wie er ist. Wir sind einander sofort Zuhause geworden, und auch wenn wir uns zum Teil vor Stuttgart versteckt haben, hat mir das keine Sorgen gemacht: Wir werden die Stadt schon noch entdecken, wenn wieder mehr Kraft und mehr Hirn frei dafür sind. Für uns beide überraschend haben uns unsere Toten den Gedanken an Kinder hinterlassen, der 2010 zwischen all den Krankenhausbesuchen und Trauerfeiern, aus all dem Abschiednehmen entstanden ist. Weil nicht immer nur was enden, sondern auch was anfangen soll. Die Idee macht mir Freude, aber ich glaube nicht so recht daran.

Heute finde ich anderes wichtiger: was aus mir wird, zum Beispiel. Ob ich noch Talente habe, die ich entwickeln will. Wie das beruflich weitergehen kann. Ob ich es mir zu leicht mache, die falschen Entscheidungen getroffen habe, ob ich etwas erschaffen kann. Das neue Jahr zeigt noch nicht, was es bereithält. Und ich bin älter geworden, das Warten und Kommenlassen macht mich unrund.

Ich will ein bisschen die Prioritäten verschieben, ja. Freundschaften wieder aufnehmen, die im vergangenen Jahr gelitten haben, denn bis auf meine drei Mädels in Wien habe ich alle vernachlässigt. Mich an neue Freundschaften herantrauen, Interesse riskieren. Und das Schreiben hat mir sehr gefehlt 2010. Eigentlich einfache Dinge.

Ich bin zuversichtlich.

Und das wünsche ich Euch auch. Habt alle ein wunderbares 2011.

Montag, 5. Juli 2010

Zeitenwende

Der Vater meldet, dass nun sogar die österreichischen Fußballschauer sich wünschen, dass Deutschland Weltmeister wird: "Die spielen so schönen Fußball. Es ist die beste Mannschaft der WM, sie hätten den Titel verdient." Ich schaue aus dem Fenster, aber weder verfärbt sich der Himmel neongrün, noch regnet es Heuschrecken.

Mittwoch, 3. März 2010

abends im lokal

ich: "... und auf dem weg hierher habe ich gedacht, dass abendliches busfahren in new york sicher aufregend wäre. das ist es in stuttgart halt nicht so."
h. lächelt.
ich: "auf dem iphone sind fotos vom cobenzl und vom kahlenberg, die habe ich mir beim herfahren angeschaut und gedacht, dass dieses wien viel zu schön ist für die wiener."
h. lacht: "das stimmt. ich muss deshalb da wirklich nicht leben. gern immer wieder hinfahren, aber auf dauer? was soll ich dort?"
ich: "mir fehlt ja auch eigentlich nichts konkretes, jetzt mal abgesehen von den freundinnen. es ist mehr der mythos oder der mehrwert, den eine stadt produziert. dafür, dass man es erträgt, mit millionen anderer zusammengepfercht zu werden, bekommt man eine geschichte geschenkt. was man aus diesem pietismus hier für großartige neurosen entwickeln könnte! aber nein, alles straight und sauber. schade."

später im park.
ich: "fehlt dir das nicht, das urbane?"
h.: "was bedeutet das denn? ich finde stuttgart schön mit den hügeln und dem blick von unserem haus. es ist toll, mitten in der stadt zu wohnen, in zehn minuten beim bahnhof zu sein und mit der s-bahn in die arbeit fahren zu können."
ich: "und sonst?"
h.: "du vergisst, dass ich kein stadtmensch bin. stuttgart ist die größte stadt, in der ich je gelebt habe."
ich: "oh."

Dienstag, 3. November 2009

tagesfreizeit im sturm

(wetterbloggen ist gut. wetterbloggen ist die bewährte metaphorik des entwicklungsromans, ein gewendeter atavistischer animismus, der die bösen geister der feindlichen umwelt ins innere holt und dann wieder nach außen kehrt. diesen dämonen ist mit keinem perchtenlauf beizukommen.) kaum verdünnisiert sich das licht, rührt sich das leben und knackt mit den sommermüden gelenken. ich höre es am telefon und beim kaffee, ich lese es im posteingang und im kurznachrichtenspeicher am handy, überall wird altes abgebrochen, neues angefangen und fahrt aufgenommen. viele müssen sich warm anziehen, und ich hocke da wie die allwissende müllhalde und sondere dazu meinung ab. "schreib mir ein kluges sms bitte." ich werds versuchen, denn ich habe tagesfreizeit und tue es gern.

Dienstag, 27. Oktober 2009

der sermon, den ich immer aufsage, wenn die leute merken, dass unsere erste gemeinsame wohnung mehr kostet als mein nettogehalt

was soll ich machen, sie geben ihm das geld. es ist ja nicht so, dass er waffen nach afrika verschiebt oder für die atomlobby arbeitet. im grunde ist er buchhändler, und wenn der job so dotiert ist, soll es mir recht sein. klar könnte ich mir so eine wohnung alleine nicht leisten. aber ich bin nicht allein, und wenn er mich allein lässt, wenn er so viel arbeitet, dass ich nichts von ihm habe und sich zwischen uns nichts mehr abspielt, werde ich nicht wegen der wohnung bei ihm bleiben.
was wäre denn gleichberechtigt? wenn jedes von uns den gleichen beitrag einzahlt, um unser gemeinsames leben zu finanzieren? so dass ich jeden monat am limit entlangschrammen müsste, während er nicht wüsste, wohin mit dem geld, und sich in kürzester zeit eine fette zusatzpension erspart hätte? während mir nichts bliebe für später? so nicht, meine herren, wir machen hier finanzausgleich.
das wird trotzdem spannend, wenn ich meinen anteilsgemäßen minimalbeitrag auf unser gemeinsames konto eingezahlt habe und mir dann mit dem restlichen geld luxus und schnickschnack anschaffe. wahrscheinlich wird er weniger blöd schauen, als ich mich vor falschem schlechten gewissen winden. als würde ich mich drücken vor meinen pflichten und mich aushalten lassen, als würde ich mir privilegien erschleichen, die mir nicht zustünden, dabei stehen sie mir ebenso zu wie ihm, der auch nicht mehr kann als arbeiten, eine begrenzte anzahl von stunden am tag.
gut, die umsatzverantwortung. das ist immer das argument, warum bestimmte jobs besser bezahlt sind als andere, abgesehen natürlich von meinem, denn wonach bei dem das gehalt bemessen wird, weiß der gott des controllings oder der geschäftsführer. was soll ich dazu sagen? das geld ist halt der am höchsten angesehene faktor, und nicht etwa, wie hier und da behauptet, "kreativität", "soziale kompetenz" oder gar rechtschreibung. kann ich was dafür? gern würde ich für die orthografische qualität eines ganzen unternehmens einstehen, aber bislang habe ich noch kein entsprechendes angebot erhalten.
so muss halt jede arbeit für gleich erklärt werden, in unserem kleinen privaten sozialismus. fest vorgenommen habe ich mir, nicht vor lauter schuldgefühlen alle hausarbeit an mich zu reißen. ich glaube, das wird noch der leichteste teil des ganzen.

Freitag, 2. Oktober 2009

schon wieder ein abschied

wir feiern die trennung auf zeit, denn die vereinbarung lautet, dass ich nach der bildungskarenz wiederkommen werde. trotzdem wissen alle, dass nichts gewiss ist. meine chefin schaukelt sich hoch, sie verspricht mir das blaue vom himmel, "führungspotenzial", "für den aufbau einer plattform bei den oberchefs dringend empfohlen", "ein standing, das du dir erarbeitet hast", aber niemand weiß wann, und leider derzeit keine gehaltserhöhung, die krise, auch sie sieht keinen cent mehr, obwohl sie jetzt geschäftsführerin ist und nun auch privat haftbar gemacht werden kann. aber sie tragen die kurskosten für mich. darüber freue ich mich.

ich räume meinen arbeitsplatz, lösche alle dateien, den serververlauf. daheim 35 wohnungsangebote für stuttgart im postfach. makler wollen alles wissen: job, raucher oder nichtraucher, haustiere, wie viele leute sollen einziehen, wohnungssuche in deutschland, man hörte davon. mein onkel ist polizist, wenns dicke kommt, muss der mein leumundszeugnis schreiben. (ob es ironische makler gibt?) auf den bildern neubauwohnungen mit niedrigen decken und winzigen fensterlöchern, ausblick auf kleinstädtische ansiedlungen, ich spüre beim hinschauen, wie mir das fett auf den rippen wächst.

ach wien, meine süße, mein schmerzendes herz. wir schütten uns gewässertes bier in den hals, viel und schnell, wir rauchen, statt zu essen, zum schluss auf der straße berührt eine kollegin beim abschied meine haare. nie wollte ich mit vorbehalt leben, und jetzt sind so zwei jahre vergangen, das merke ich erst durch diese geste: das jemand mich ins herz geschlossen hat, ohne etwas dafür zu erwarten. ich schäme mich und bin traurig.

dann am nächsten tag gleich in den kurs, schon wieder neue leute. die arbeitslosen männer anfang 50, gebrochen, unsicher oder einfach renitent, für den arbeitsmarkt, den ich kenne, in jedem fall unbrauchbar. ein chef muss sie lieben und adoptieren. die gute reaktion des trainers, der ihre zwischenrufe aufnimmt, beantwortet und fortfährt. vier, fünf leute, die niemanden ausreden lassen oder zu sprechen beginnen, obwohl keine frage gestellt wurde. die frau neben mir, die nach der mittagspause ein täschchen hervorzieht und anfängt, sich hände und lippen einzukremen. dazwischen beginnt sich ein beruf abzuzeichnen, der mich interessieren könnte. im foyer der bildungseinrichtung liegt das magazin auf, das ich vor knapp zwei wochen abgeschlossen und in die druckerei geschickt habe, mein nachfolger hat noch einen ordner mit ausdrucken und mails, "falls sich der kunde doch noch beschwert". ich gehe daran vorbei und merke erst jetzt, dass ich stolz darauf bin. the glory of print. forever in love.

Montag, 3. August 2009

august (jetzt neu mit katzencontent)

und plötzlich war wien leer. auf den straßen, auf den radwegen, in den geschäften - kein mensch, nur in der rotenturmstraße rempeln mich die touristen an, als ich ans fahrrad gelehnt versuche, zerstörungsfrei eine fischsemmel zu essen. "das war ein richtig schöner sommer", sagt die kollegin am telefon, und ich verstehe nicht, denn für mich fängt der sommer gerade erst an. dass die anderen fort gefahren sind, habe ich übersehen, manche erzählen von urlaub, man kennt das, eine andere informiert mich, ebenfalls am telefon, als wäre es eine interessante neuigkeit: "sie wissen ja, jetzt sind alle weg." sie meint es nicht ironisch.

es regnet jeden tag, als gäbe es hier, mitten in europa, einen monsun. die vorläufigkeit der hitze, dieser sommer ist nicht von dauer. leicht angetröpfelt kommt die alte katze aus dem lichtschacht zurück in die wohnung und rollt sich auf dem sofa ein, die andere fängt mücken, zufrieden, aber immer so schläfrig. in den ohren habe ich musik von vor fast 20 jahren, noch immer perfekt. m. und e. haben sich eine digitale kamera gekauft, ein unglaubliches ding für 3000 euro, das bilder und kleine filme machen kann. jeden sonntag, wenn sie zum brunch ins atelier geladen hat, macht e. aufnahmen, viele, und wir sehen sie uns auf m.s rechner alle immer wieder an. große porträts vor unscharfem hintergrund. "wir sehen so erwachsen aus", sage ich, und sie nickt nur. wir sind mitte dreißig, anfang vierzig, sagen uns diese bilder, und wir verstehen es kaum. "du bist ihr lieblingsmotiv", meint m. zu mir. erst allein daheim fällt mir ein, was ich darauf antworten hätte sollen: dass das ihre art ist, mir zu sagen, dass sie mich lieb hat.

wir reden über kinder, immer, ob wir welche haben würden wollen, öfter aber, warum nicht, auch die lesbische freundin, die verlegerin geworden ist, sagt, dass sie nie selbst welche haben werde, ihre kinder seien ihre bücher. es ist wohl eine frage des alters und des weiteren ohne jegliche konsequenzen. ich denke daran, dass ich mich an den dreißigsten geburtstag meiner eltern erinnern kann. aber dieser sommer, der nie zu sich finden kann, beunruhigt mich nicht und wird so vergehen, wie alles in diesem jahr des übergangs. wir saßen zu dritt in einem café, und keine wusste, wo sie in einem jahr sein würde.

nicht einmal das bloggen hält die welt noch zusammen, denn gerade eben verschenkt sich alles und verschwendet sich ans hoffnungsloseste glück. auf offener straße, an einer der menschenverlassenen kreuzungen mitten in der inneren stadt sagte heute jemand zu mir: "sie sind wunderschön." ein mensch in einem gehäuse aus anzug und suv, deutscher natürlich, leise und höflich, wer weiß, wovon er träumt in seinem kleinen hotelzimmer. ich selbst verstehe kaum noch, warum ich mich nie getraut habe, kommentare zu schreiben, weil doch ohnehin alle willkommen sind. sich mit schüchternheit aufzuhalten, kommt mir zum ersten mal wie zeitverschwendung vor, aber ich weiß nicht, woher dieser mut stammt oder die gewissheit, dass keine zeit zu verschwenden ist. zum ersten mal erscheint mir das "sie" unter bloggern unpassend. man ist eine andere geworden, ohne es zu bemerken.

Montag, 4. Mai 2009

to whom it may concern

es war und es ist sehr viel gutes.

ich habe endlich den richtigen sport für mich gefunden. rennen wie blöde, mit dem schläger auf den ball holzen, dass es schnalzt, ein bissl bodychecken und dem gegner im zweikampf zwischen den füßen herumstangeln, das macht mir einen mordsspaß. und die leute - so anders als ich, wir würden einander nie kennen lernen. trotzdem haben sie mich von anfang an und ohne jeden vorbehalt in die gruppe aufgenommen und mitspielen lassen, bringen mir alles bei und haben geduld mit mir. ein riesengeschenk.

noch ein geschenk: die beiden neuen mitbewohnerinnen, zwei alte damen mit ausgeprägten charakteren, die bei ihrer vorherigen besitzerin nicht bleiben konnten. sie flauschen alles mit ausgefallenen haaren voll und tragen kleine betonkügelchen aus dem kistl an den pfoten durch die wohnung, wenn sie nicht gerade die küche zerlegen oder leise schnarchen. die traurige besitzerin hat mir erzählt, dass sie fast ein jahr jemanden für die beiden gesucht hat. dass sie sie mir gegeben hat, macht mich stolz. und froh macht mich, dass sie da sind.

des weiteren ist auch dieses jahr, wie jene jahre davor, eines des übergangs. die liste der städte, in die ich vielleicht schon bald gehen würde, wächst mit jedem quartal, zuletzt war es frankfurt, die suchassistenten für job und wohnung waren schon eingerichtet, dann wurde doch wieder nichts draus. dass sich meine begeisterungsfähigkeit noch immer nicht erschöpft hat, ist gut, macht nur das aufwachen und zurücktreten von den träumen immer anstrengender. dass plötzlich fantasien auftauchen, "irgendwas mit menschen" zu machen, ist vielleicht eine folge davon, dass ich die bindungen hier schon auf dauer über die distanz eingestellt habe: ich seh und treffe die drei freundinnen schon seit wochen und monaten mit dem gedanken des "jetzt-noch", der letzten und vorletzten treffen, vielleicht wird es unser letzter sommer in wien sein, wer weiß. gleichzeitig rutschen mir andere schon durch die finger, ich nehme es noch wahr und tue doch nichts dagegen, habe kaum noch einen ort, von dem aus ich senden könnte. ich wäre gern stärker verbunden.

Montag, 2. Februar 2009

die montag-morgen-maschine

anzüge auf ausflug, mit flausen im kopf.

Donnerstag, 18. Dezember 2008

ich lese schmidt liest proust

"ein schwieriger mann ist ein statussymbol", krähte ich vor auch schon wieder fünf jahren, als m. meinte, mich vor sich warnen zu müssen. das fiel mir zuletzt wieder ein, als ich das blog-jetzt-buch von "schmidt liest proust" mit mir durch meine wintertage trug. (das blog hatte ich verpasst, genau so wie ich götzens "klage" verpasst hatte, gut, dass es bücher gibt, ich lese gern im bett.) es fiel mir ein, weil mich irgendwann mittendrin die alte eifersucht packte auf die undurchschaubaren erasmus-spanierinnen und die ganz normalen neurotikerinnen, auf die ewigen mädchen, die nicht wissen, was sie wollen, und auf die königinnen, die einen scheiß drauf geben, ob sie geliebt werden. warum kommt einem das in der beobachtung so groß und bedeutend vor, sich mit einem schwierigen mann die kante zu geben? warum denunziert man sich selbst und kann sich nur in flachen latschen mit schlabberpulli vorstellen, als unerschütterliche pragmatikerin, die in mittlerer stimmlage den satz herausplätschern lässt: "für mich wäre das nichts."?

sie reden halt so schön über ihre einsamkeit. m. konnte das nicht, er schwieg einfach, saß mit den kopfhörern am pc und ließ mich allein. und man denkt immer, wenn einer dann vom alleinsein erzählen kann, versteht er es auch und will es teilen, aber so ist es nicht. die depression ist ihre größere liebe.

h. ist da anders. mit ausnahme seiner exfrauen ist mir noch niemand begegnet, der ihn nicht mag. er fügt sich in jede runde ein und trägt etwas dazu bei, ohne sich vorzudrängen. er ist, mit anderen worten, ungefähr das genaue gegenteil von schwierig. und wenn er geht, kommt er nicht zurück, und warum er bleibt, versteht er zu begründen.

(...)

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