geschmeidige konversation
drei kisten mit büchern aussortiert, die ich jetzt versuche, diversen antiquariaten anzudrehen. das küchenkastel: weg mit verranztem paprikapulver, altem reis, dubiosen dosen, alles weg. einen sack voller kleider und schuhe, den nahm mir eine frau gleich auf der straße ab, sah mich von weitem kommen, blieb stehen, sprach mich an: haben sie da kleidung drinnen? kann sie alles haben, ist sauber und ohne löcher, sie freut sich, ich schäme mich kurz für mein luxusleben.
zurück in der wohnung stehen noch immer dinge herum, am liebsten würde ich alles weghauen, aber das geld könnte ich schon brauchen, so ist es auch wieder nicht. aber wer will schon die kitschigen vasen aus orvieto? zu not stelle ich alles einfach auf die straße und schenke es dem anonymen nebenmenschen.
je mehr ich weggebe, desto stärker wird das gefühl, alles zu haben, was ich brauche. schuhe, kleidung, geschirr, alles da. mit all dem kann man noch lange auskommen, ich habe klug eingekauft in der vergangenheit. ich entwickle sympathie für meine dinge: was bleiben darf, ist gewollt.
plötzlich fallen mir die möbel auf, die schlechte qualität, die viel zu kräftigen farben.
die antiquarin machte mir wenig hoffnung, es kämen sehr viele leute zu ihr zur zeit. es sei so eine phase. jetzt sei einfach ein guter zeitpunkt zum ausmisten.
gingerbox - 23. Jan, 23:29
ab freitag (25.) treibe ich mich wieder einmal für ein paar tage in berlin herum. wer mit mir tee trinken will oder bier: ich würde mich freuen.
gingerbox - 21. Jan, 14:19
wenn man mich fragt, so durch den tag und dann am abend wieder, was ich tue, tun will, getan habe, ich könnte nichts darauf antworten. lange schlafen, stunde um stunde lesen in blogland, rauchen, es ist nichts, es war nichts, es wird nichts sein. im kühlschrank zwiebel, mayonäse, ein glas marmelade, ich tue nichts, ich esse brote, fülle mal die waschmaschine, das müsste ich nicht, manch anderes müsste ich und unterlasse es dennoch, ich könnte viele treffen und einiges unternehmen, aber es ist mir egal, ein paar tage der stille, ohne einen gedanken zu fassen, schaden nicht.
gingerbox - 7. Jan, 22:10
dann ist mir wieder eingefallen, dass ich einmal so einfach werden wollte wie holz.
gingerbox - 20. Feb, 20:02
jetzt steht seit einer woche wg. akuter hektik dieser trübsinnige heulkrams ganz oben in meinem blog. das geht so nicht! es gibt zwar keine zeit, was zu erzählen, aber doch guten grund zur freude:
blogmich06! kommt alle, ich komme auch.
gingerbox - 23. Aug, 23:34
auch wunderbar, dass der eigene psychohaushalt mittlerweile so korrupt ist, den feiertag für die heulerei zu nutzen. ganz wunderbar.
gingerbox - 15. Aug, 15:06
wörter von mir in den reden anderer wiederhören - großartig, zum beispiel, das sich miss sophie genommen hat - und in meiner rede die wörter der anderen hören. die jargonhaftigkeit von allem, das erlernte. das zitierte. die anmaßung der aneignung, sie klingelt mir in den ohren.
angefangen hat es, als mir kleine fehler auffielen, unschärfen in der verwendung von wörtern, bei den anderen und bei mir selbst. meinst du damit, was ich meine? wo hast du das her? einmal sah ich das lächeln in einem gesicht, das mir zuhörte und wusste, dass ich nicht sprach, wie ich aufgewachsen war, und nicht, wie ich es gelernt hatte, sondern mischte. es lächelte ironisch und überlegen, weil man nicht gemischt sein darf. man muss rein sein. man darf die reinheiten wählen, man darf sie wechseln, aber man darf nicht vermischen. (in dieser zeit.) wer vermischt, zeigt, dass er sich etwas anmaßt, etwas nimmt, etwas borgt, das ihm nicht gehört. und dass er braucht, was er sich borgt, weil er nichts anderes/eigenes hat.
immer öfter hörte ich geborgte wörter, und bald schon zerfiel mir alles. jede rede zerbröckelte, jedes wort schnurrte zurück zu seinem (von mir vermuteten) ursprung, ich hörte dich sprechen: als tochter/als sohn, als schülerIn, als studentIn, als projektmensch, als angestelltes, als leserIn, als säugling (hörte ich dich sprechen), als emotion, als eitelkeit und zuneigung. ich war fasziniert von den wechselnden ebenen in jedem satz und bildete mir ein, du sprächest in diesem reden deine geschichte aus und machtest sie hörbar, auch wenn du etwas ganz anderes erzähltest. manchmal vergaß ich zu antworten.
seither passiert es mir immer öfter, dass ich mich im gespräch in den stilebenen irre oder die intensitäten falsch dosiere. (denn/aber) dass sich alles auch ganz anders sagen ließe, geht mir nicht aus dem kopf und macht mich schwerfällig, und dass es, würde es anders gesagt, auch anders wäre, irritiert mich. den überschuss an kraft, den dieses durcheinander auslöst, haben die wörter dann im handgepäck und behelligen damit meine hilflosen gegenüber.
aber es könnte noch weiter gehen. es reizt mich, mir vorzustellen, dass auch der aufbau der rede mir fragwürdig wird, dass der bogen (wie ich hier zum beispiel einen anlegte von es fing damit an über immer öfter und bald schon bis zu seither) sich ebenso auflöst wie das vokabular. was wohl heraus käme?
früher bemühte ich mich, mit jedem in seiner sprache zu sprechen, so lang, bis nichts mehr von mir übrig blieb und ich müde wurde. dann kamen die fehler.
ich werde lernen müssen zu glauben, dass du es bist, die spricht, wenn ich dich reden höre, dann kann ich auch glauben, was ich sage.
strichpunkt-bindestrich-klammerzu
gingerbox - 10. Jun, 18:57
ich habe keine ahnung, wo er wohnt, und werde das auch nicht herauszufinden versuchen. ich will nicht wissen, woran er arbeitet, ob er ein engagement hat oder fürs fernsehen dreht. nichts läge mir ferner, als ihn anzusprechen. aber es macht mir eine seltsame freude, dass er garantiert alle vierzehn tage meine wege kreuzt. und das schon seit jahren.
gut, man könnte sagen: wien ist sehr übersichtlich, und die wege, die ich gehe, sind wenige und immer die selben. aber so oft habe ich schon mein haus gewechselt, kilometerweit mich verfrachtet, und trotzdem hastet er immer wieder durchs bild, mit konzentriertem blick, fast ein wenig aufgescheucht, immer in eile.
oder er sitzt in der straßenbahn, wie gerade eben. mich hat's rausgetrieben in die nacht, runter zur markthalle, zigaretten ziehen. marietta hat die fenster vom les artistes aufgerissen, zwei paare sitzen noch drinnen, die burschen in lederjacken, die mädchen mit langen haaren, ich gehe weiter, ich kehre nicht ein, an der kreuzung ein mädchen mit bunter strickjacke, ein bursch mit bierdose, ich gehe weiter, die ampel ist grün, eine frau hat das fenster ihres autos heruntergekurbelt und hört laut musik, dahinter kommt die straßenbahn, ich gehe weiter, ich schaue aus der nacht in die beleuchtete staßenbahn, die fahrerin ist so kurz und dick wie der 37er-wagen, das freut mich, und ein paar bänke hinter ihr sitzt suhrada und liest, weit übers buch bebeugt, wie es große menschen tun, genauso konzentriert, wie er geht, auch das freut mich, und weiter, in der jackentasche spielen die finger mit der zigarettenschachtel, vier burschen in t-shirts, ich checke: flirt oder fight? - keines von beiden, auch das ist gut, dann ein polizist, macht auch seine runde, ist nervös, dann ein dobermann mit maulkorb, da hatte ich schon umgedreht, dann der besitzer, ein kleiner mann, einen zweiten großen hund an der leine, eine kette um den hals, gehört die ihm oder dem dobermann? und wieder an der markthalle vorbei, nur männer unterwegs, und alles ist ruhig, sicher ist diese stadt, und ich habe keine angst, und suhrada kreuzt meine wege, und das, könnte ich sagen, ist wien.
gingerbox - 20. Mai, 00:40
rechtzeitig zum einjährigen central-jubiläum erreichte mich der ruf von
mindestenshaltbar.net, wo sie
das noch bis 1. juni online finden können. vielen dank!
gingerbox - 14. Mai, 22:44
i., e., s., v., l., p., c., m., t., t. und t. und j.
gingerbox - 3. Mai, 19:33