seelenkiller-sounds

Dienstag, 30. August 2011

ohrwurm mit schmacht

zu meinem urlaub auf einem gutshof in estland habe ich mir fast stilgerecht emily brontes "wuthering heights" mitgenommen. verteufelt gut geschrieben, und all der darin enthaltene psychopathische sadismus hat mir ein paar üble alpträume verursacht.

aber natürlich gibt es den finsteren heathcliff auch längst in einer soften variante. sehen sie bitte unbedingt und sofort laurence olivier (und merle oberon und david niven) in der verfilmung aus dem jahr 1939, besungen von der großartigen kate bush mit ihrem, wie man so schön sagt, "gleichnamigen superhit".

heathcliff

na? wie geht es ihnen jetzt?

ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit dem schmachten. bei diesem blick eines traurigen rehbabies? allein wie er x-beinig über die trockenmauer hüppt, löst sofort nur einen wunsch bei mir aus: hinterher! dann wird scheu am felsen gelehnt und sich später hingeworfen und dabei der zarte nacken gezeigt. (schade nur, dass die dame darauf lediglich mit einem ruppigen ziehen am oberhemd antworten kann.) kugeläugiges ins-fenster-spähen und dabei an der lippe knabbern, linkisch aus dem zimmer stoffeln und dabei eine hose anhaben, die aussieht, als hätte man sich darin verirrt - ich kanns nicht ändern, nein, ich würde es am liebsten auf 20 x 50 meter große plakate schreiben: mir gefällt das, wenn männer so sind!

so, jetzt wissen sie's.

(vielleicht liegts aber auch an frau bushes gesang. würde ich noch bloggen, könnte ich viel über lieder erzählen, in denen frauen im wesentlichen rufen. solche musik wäre mein trigger beim method acting für ansatzloses losheulen.)

Sonntag, 27. Februar 2011

Welt und Klang

Wie schade, dass die Inszenierung von Brittens "The Rape of Lucretia" im Theater an der Wien überhaupt keine Aussage treffen wollte. Dabei ginge es eigentlich um so viel Gegenwärtiges: Um Krieg und Vergewaltigung, um Schuld und Unschuld, um die Frage nach dem Wesen der Liebe. Von mir aus auch um die Erlösung, die das Christentum in die der Hoffnungslosigkeit ausgelieferte antike Welt gebracht hat, wenn es denn hätte sein müssen. Aber gar nichts? Kann es wirklich reichen, einen Lieblingsstar auf die Bühne zu stellen - Angelika Kirchschlager in der Titelrolle - und ansonsten die Handlung zu bebildern?

Man ahnt es schon: Ich meine nein.

Brittens Musik ist so zart, so emotional und so eingängig, dass ich sie mit Genuss und auch Anteil nehmend hören konnte. Viele schöne, wenn auch ähnliche Stimmen, und eine zweite Dienerin war da, die sang fast überirdisch. Aber szenisch ... Nur ein Beispiel: In der langen, der quälend langen Vergewaltungsszene passiert musikalisch so viel, aber auf der Bühne herrschte Monotonie und Bodenturnen. Vielleicht lag's auch an der Kirchschlager, die kühl und unbeteiligt auf mich wirkte oder sich einfach mit der Komplexität der Figur und ihrer Problemstellung nicht befassen wollte. Aber wenn die Regie schon keine eigene Idee hat, dann könnte man doch zumindest die Ereignisse in der Musik aufgreifen.

So blieb mir nach den knapp zwei Stunden, die das Ganze gedauert hat, noch viel Gelegenheit zum Spekulieren und Weiterdenken. Und als wäre all das nicht wichtig, hat Britten nach "Death in Venice" letztes Jahr auch diesesmal wieder tagelang nachgeklungen.

Update: Angel Blue, Sängerin des Female Chorus in "The Rape of Lucretia", ist von einem rassistischen Taxler aus dem Auto geworfen worden.

Mittwoch, 19. August 2009

in der pause hören sie musik

ich war unterwegs, und bis notizen, bilder und erinnerungen sortiert sind, hier ein glücklich machendes video mit bobby mcferrin und dem wunder der pentatonik.
via anke gröner.

Montag, 12. Juni 2006

veneer

gewärmt bis ins mark nach einem nachmittag in der wiese der hitze der sonne aufgebrannt bis zum schüttelfrost klappernd dann in der nacht auf der straße ein langer blick auf deine langen knochen deine langen wimpern wie winkler schrieb die fast die wangen berühren ein langer blick in deine gedanken die meinen keine einkehr aber dann doch weich werden bei der stimme und der gitarre und meine sind schon fort und weit weit und weiter und aber dann nur mehr der rücken der rucksack die schwarze gestalt in der nacht die ganz schwarzen gedanken die zucht die disziplin die abhängigkeit die kraft das scheitern das wandern sei vorsichtig sagten wir einander von irgendwoher wo ich dich kannte wo du mich kanntest ich war überrascht dieses land wie lang muss ich mich noch langweilen bis ich es betrete mich verderbe dass du mich nicht einlädst vielleicht ein freundschaftsdienst deine gleichgültigkeit dein alleinsein und meines unvergleichlich unsere wege andere und arbeit jeden tag denn dieser gang verbietet sich die verbindungen müssen aufrecht bleiben jeder flicht sie allein mein reich ist nicht deines mein herz mein zimmer mein name nicht deine aber wäre kein lächeln in deinem toten gesicht sähe ich nicht deine augen wäre alles ganz anders und mir auch egal was du sagtest und das macht mich lachen in der nacht dann daheim.

Dienstag, 11. April 2006

scharik ili schurik

djewotschka ni kurit na ulize, war einer der ersten sätze, die herr t. zu mir sagte, als wir uns vor auch schon wieder einem halben leben auf einem knietief eingeschneiten tiroler waldweg kennenlernten. eine djewotschka war ich damals noch, wenn man ein paar augen zudrückt, ein mähchen mädchen, und das sollte eben nicht rauchen, na ulize nicht, und auf dem waldweg schon garnicht, obwohl, wie ich damals auch gleich merkte, er das selber nicht recht ernst meinte, sondern bloß mit seinem russisch eindruck schinden wollte, was ihm, zumindest bei mir, auch ganz hervorragend gelang. - das fiel mir heute nur ein, weil ich ein online-wörterbuch russisch-deutsch suchte, und wenn mir djewotschka einfällt, dann fällt mir immer auch gleich die schnulze von bulat okudschawa ein, djewotschka platschet, scharik uletjel, tralali, tralala:

das mädchen weint, der luftballon ist weggeflogen.
sie wird getröstet, und der luftballon fliegt.

die junge frau weint, sie hat noch immer keinen mann.
sie wird getröstet, und der luftballon fliegt.

die frau weint, der mann ist zu einer anderen gegangen.
sie wird getröstet, und der luftballon fliegt.

es weint die alte frau, sie hat zu wenig gelebt.
und der luftballon kommt zurück, und er ist himmelblau.


ja, herrgott: himmelblau. - wenn wer will, könnte ich sogar die guitarrengriffe dazuschreiben oder das lied mit einigem schmalz schmelz zum vortrag bringen. aber man soll nicht mit klampfen auf die liedermacher anderer länder werfen, wenn man selber im glashaus sitzt, und okudschawa war ja auch ein guter. - nein, ums himmelblau ging's mir, golubój heißt das auf russisch, und die arme heldin des liedes hätte sich einige tränen sparen können, hätte sie rechtzeitig vokabeln gelernt, höhö, blöder schmäh, entschuldigung.

Donnerstag, 30. März 2006

helden der stille

good dog, happy man.

high sign (aus the goat).

hier hört man den 67jährigen keaton singen und quatschen (listen-button) und dazu eine gar nicht mal so blöde, aber leider wieder bei chaplin endende geschichte darüber, wie silents funktionierten. - keaton war auch da seiner zeit voraus und machte noch vor dem tonfilm witze, für die man eigentlich eine tonspur gebraucht hätte.

die aufnahme bestätigt übrigens meine vermutung, dass keaton wiedergeboren wurde und jetzt ober im café bräunerhof ist, denn dort schleicht ein alter kellner mit müden augen in einem glatten eckigen gesicht herum, der mit der gleichen kratzigen stimme seine 3,80 für die melange verlangt.

Samstag, 4. Februar 2006

the tiger lilly line

00000159das wird jetzt eine lange geschichte, denn das mit den tiger lillies, das hat eine vorgeschichte noch in den 90ern. nach london bin ich damals abgepascht, für eine woche, wenn ich mich recht erinnere, allein und von heute auf morgen, wie ich es oft gemacht habe, nur weg aus der stadt, rucksack gepackt, zugticket, jugendherberge, los gehts, nur weg. alles anschaun, nach dem theater auf einer themsebrücke stehen und in die lichter schauen und denken, es ist gut, und warten, mein leben, was es alles sein könnte, wer bin ich denn, mitte zwanzig, wer kennt mich. und in der jugendherberge, wo die japanerinnen im schlafsaal um sieben uhr morgens anfangen, ihre raschelnden wäschesackerl umzuschlichten und wieder umzuschlichten, so dass ich nie genug schlaf erwische und wie in watte herumgehe, dort hab ich mein buch neben dem kopfpolster, und eine schöne große frau kommt ins zimmer, weiße haut, schwarze locken, hi, sage ich, sie antwortet hallo, sie hat mein buch gesehen, wir sprechen beide deutsch, jana heißt sie und kommt aus leipzig und ist auch allein unterwegs. und den rest der zeit verbringen wir gemeinsam, fahren mitten in der nacht in die vorstadt auf ein konzert, erkennbar fremde in der örtlichen stammkneipe, wo die buben ihre gitarren dreschen, ein paar bier, beäugt werden, und auf der straße bin ich so stolz, so eine schöne frau geht da neben mir her, als wär das selbstverständlich, soziologie hat sie studiert und wollte professorin werden, vielleicht ist sie es bald.

und dann hab ich sie besucht in ihrer winzigen wohnung in leipzig und mit ihr und ihren freundInnen ausflüge gemacht. wie anders die drauf waren, wieviel sicherer, kam mir vor, wie die mädels alle wussten, was sie wollten, und das auch sagen konnten und sagen durften, muss was mit dem realsozialismus zu tun haben, dachte ich mir, und sie nickte dazu. und dann kam sie nach wien, und wir haben die grand tour gemacht, sogar raus bis zum donauturm und am abend dann ins burgtheater, schillers fiesco mit sven eric bechtolf, der unter dem rock einer dame verschwindet und mit feuchtglänzendem gesicht wieder auftaucht, der ältere herr neben uns verlässt empört das theater, und zum schluss gibts applaus und ein paar pfiffe, und wir trinken noch was, wahrscheinlich, denn ich erinnere mich nicht, nur mehr daran, wie überdreht wir waren, aufganserlt, und im programmheft stand musik: the tiger lillies. und so hab ich den typen im plattenladen gebeten, mir die cd zu bestellen. the brothel to the cemetery, das puff beim friedhof, und genau so hört es sich auch an.

ich bin wie immer sofort völlig reingekippt auf den sound, auf das quietschende kirtag-akkordeon und das schlagzeug mit den blechdosen und natürlich vor allem auf die stimme, tom waits auf helium hat sie mal wer beschrieben, und das triffts wohl auch am besten, ein falsett, das einem die scheiben zersägt. alone with the moon. in den liedern wimmelt es von tätowierten huren und soldaten und betrunkenen bettlern, von matrosen und alten einsamen frauen, von sodomie und tod und schuld und verbrechen, es ist eine freude, walzer und polka und ringsherum. die melodien sind keine offenbarung, aber vielleicht ist auch das ein reiz, hundertemale hab ich die cd gehört, immer wieder, und dann bin ich wieder losgefahren, an einem 30. dezember diesmal, nach berlin, denn schwesterchen sagte, die tiger lillies wären in der kalkscheune, und niemand in wien hatte pläne für silvester, und ich wollte nicht mehr warten und bin wieder in den zug und fort. und die show war der größte spaß, auf eine möglichst kranke art sexbesessen und dazu ein wenig shock-and-horror, eine sideshow, wie sie sein soll.

jana habe ich wenig später aus den augen verloren, denn man gibt sich hin und nimmt sich wieder zurück, aber die tiger lillies tauchen immer wieder auf. jetzt sind sie in wien mit einem stück über das mädchen mit den schwefelhölzern, sie machen viel theater in den letzten jahren, shockheaded peter, punch and judy, eine circusshow, lauter stoffe aus dem 19. jahrhundert, was das angeht, sind sie klarer geworden, mehr auf ein genre festgelegt, aber beim letzten, fast etwas zu beschaulichen konzert in der arena, als das publikum sich was wünschen sollte, hab ich nach sex with flies geschrien, und da ist dem großen bösen mann mit der schönen stimme beim singen doch wieder das grinsen ausgekommen.

00000088

Montag, 24. Oktober 2005

messesouvenir aus der dose

Die Entrechteten der Sprache erheben sich gegen die Wörter!

oder, anderswo: Das Auge sieht es, doch das Herz muss es glauben.



ich lach dann morgen. heute habe ich noch ein bisschen angst.

note to self: kryptonik-bloggen sucks!

Donnerstag, 1. September 2005

gegen trübsal hilft ...

betancor... allerlei, und jedes hat da seine eigenen strategien. ich greife gern auf die schätzchen zurück, die mir meine liebste und, wie man irgendwo in deutschland sagt, einzigste schwester zugetragen hat, zum beispiel auf die famose popette. unvergessliche schlager über fallobst hat die dame verfasst, eine ganze cd dem thema damenbart gewidmet und extra das genre kammerpop kreiert (kre-iert, nicht krei-ert, sie dussel). live blinkt sie mit dunklen äuglein, spielt klavier und rasselei und trompetet, dass es eine freude ist. auch wer wissen will, wie denn die einzahl von endivien laute und wann und warum die heilige wilgefortis verehrt wird, geht nach einem popettenabend zufrieden nach hause. und wie das ist, wenn einem was im kopf sitzt und feixt, das weiß die popette gut. und ich auch. und meine schwester sowieso.

Samstag, 30. Juli 2005

for today i am a buoy

angeblich hat antony die statur eines riesen. zwei, drei wochen, bevor er mit den johnsons zum jazzfest nach wien kam, begannen die berichte, und kaum einer hat das bild ausgelassen: die stimme eines engels im körper eines footballspielers. dann ein ausschnitt aus einem lied - ein klavier, cello, schließlich die stimme, von der man sofort weiß, dass man sie nicht mehr vergessen wird, hell, aber nicht klar, von irgendwo her zwischen kopf und brust. das album, wiegenlieder, kinderlieder, one day i'll grow up / to be a beautiful woman / one day i'll grow up / to be a beautiful girl / ... / for today i am a buoy, hymnen, i'm a bird-girl / and bird-girls can fly, duette mit boy george und lou reed, so langsam und schön, dass sich einem alles zusammenzieht, und wenn die berichte weitergehen, müssen die radiosprecher kurz schlucken.

ich hab' das konzert nicht gehört. aber eine woche später war es im sumpf, und der alte fritz ostermayer ist offenbar auch reingekippt, hat seinen kollegen edlinger zum interview mit antony begleitet und tapfer englisch gesprochen, das war lustig. antony war charmant, authentisch und auf angenehme art bescheiden: nichts großes will er offenbar mit seiner musik, nur etwas echtes.

groß ist es ohnehin. und ein bild kriege ich nicht aus dem kopf: dass einen ein großer, freundlicher mann zu einem sehr weichen polstersessel bittet, dass er einem eine hand auf die stirn legt, bis der kopf in den nacken kippt und er mit der anderen in den mund und in den hals und weiter fahren kann und sehr langsam alles herauszieht, was da noch drinnen steckt. und zappelt.

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