
vom tiefsten oberösterreich bis berlin-stadt, wo meine schwester überall liebe menschen hat, wurde heute dider hallervordens geburtstagsgala geschaut. denn sie war dabei, falls es wer gesehen hat: die hübsche blonde posaunistin in der zweiten reihe,
that's her.
natürlich war sie viel zu selten im bild. aber der rest war zumindest interessant, überraschend aggressiv und sehr, sehr retro. ein sketch bestand nur darin, dass hallervorden aufs gröbste beschimpft wurde. helge schneider, der ein geburtstagsständchen brachte, wurde vom jubilar mit einer neuen version von
katzeklo beglückt - der text lief darauf hinaus, dass
katzeklo ein zeichen des allgemeinen kulturverfalls sei. die endlosen sexuellen witze, bei gleichzeitig völlig asexueller, um nicht zu sagen: antisexueller haltung - das konnte nicht mal nina hagen retten, und das will was heißen. betrunken sein bis zum kontrollverlust, probleme in der ehe, sexuelle versagensangst, ja, versagens
panik, keine fremdsprachen können und der bundestag, ein einziger
zirkus, so sah dieser abend aus. das publikum war höflich gelangweilt bis verwundert. dass das alles mal jemand witzig gefunden hat ...?
ganz selten wurde sichtbar, was der hallervorden vielleicht gemeint haben mag, eigentlich: bei den ausschnitten mit den besten stunts zum beispiel. stürze, crashes, stolpern, die große sause der figur, die von den dingen zermahlen wird, das erinnerte mich an die
keystone cops und an den slapstick der 20er jahre. aber es funktionierte wahrscheinlich schon damals nicht mehr, als die aufnahmen gemacht wurden. alte omas mit spitzenkragen, weiße leintücher auf der wäscheleine, das war auch in den 70ern schon lange nicht mehr wahr.
da ist mir martin flossmann eingefallen, der bis 1993 chef des wiener kabaretts
simpl gewesen ist. er ist nach dem
simpl nach berlin gegangen, wollte dort an die tradition des berliner kabaretts der zwischenkriegszeit anknüpfen und ist bitter gescheitert.
gescheitert ist wohl auch hallervorden, zumindest wenn man den artikeln glauben will, die zum geburtstag erschienen sind. die ganze qual der geduckten figur, das verzerrte gesicht, das von so viel gewalt erzählt, das will doch heute kein mensch mehr sehen. man hat das durchschaut, und es war doch eigentlich auch nie wirklich witzig. entlastung durch spiegelung sieht heute anders aus.
ab sonntag läuft die neue staffel
stromberg.
p.s. schwesterchen, ich weiß, du liest mit: erzähl mal, wie es hinter der bühne war!