Mittwoch, 12. Mai 2010

sag mutti zu mir

eine passage ist vermutlich abgeschlossen, wenn einem die kassiererin an der autobahnraststation nach milisekundigem zögern eine dürre rose aufs essenstablett schleudert und dazu "allesgutezummuttertag" murmelt. der geek von der software-quetsche, für die ich grad ein handbuch schreibe, nimmt während unseres termins sachte das du zurück, das sich in den e-mails ergeben hatte. 24 stunden später werde ich auch noch im cafe phil gesiezt.

es fühlt sich richtig an, denn ich trage kaum mehr hosen, dafür aber fast jeden tag irgendein blingbling am leib. die schuhe? da ist kein mädel mehr, das dame spielt, sondern einfach eine frau mitte dreißig. vor allem aber seh ich es in meinem gesicht - nicht die falten, dafür bin ich viel zu entspannt und ausgeruht. es ist etwas anderes, eine klarheit, mit der man durch die augenfenster in die welt hinausschaut, wahrscheinlich auch die ersten anzeichen einer middle-aged-zickigkeit und einer neigung zum beschwerdebrief-schreiben, das wissen, dass man die welt nicht sprengen wird, es aber manchmal gerne möchte. wichtiger aber: dass vieles klar ist, dass ich mein leben leben darf, weil die welt einen scheiß drum gibt und das auch in ordnung so ist.

Mittwoch, 21. April 2010

1930-2010

ich kannte ihn kaum, aber h. erzählt, dass er sich tierisch aufregen konnte, wenn beim abspann eines films der durchschuss falsch war. schriftsetzerstolz.

eigentlich wollte ich etwas schreiben über die isländische asche, dank derer h. bei ihm in deutschland war, als er starb, weil h.s flug nach wien abgesagt wurde. über die asche und das feuer und das fieber, in dem h. jetzt dahindämmert, wollte ich schreiben, aber es war alles kitsch, und selbst das wenige, das nun hier steht, ist schon zu viel gesagt.

findet mein mann mich wieder, wenn sein schmerz nachlässt?

Freitag, 19. März 2010

wenn der mittagsdämon klingelt

die katzen liegen im sonnenquadrat auf dem sofa und schlafen wie erschlagen, draußen toben die amseln und mäuse übers gras, ich gehe drinnen den langen gang entlang und schaue in jedes zimmer. die welt wartet darauf, mit meinen erledigungen belästigt zu werden, aber es hat alles keinen geschmack. blöde glotze ich in den kühlschrank, ins schlafzimmer, falte im zeitlupentempo handtücher, angle zum xten mal den koffer aus dem schrank, zähle sieben unterhosen hinein, lasse ihn offen liegen. was direkt aus der dose genießbar ist, habe ich längst aufgegessen, ich trinke zu wenig wasser und rauche zu viel, auf jedem sessel hocke ich nur auf der kante. mit dem putzeimer im gemeinsamen stiegenhaus bin ich fröhlich, nicht wollen, nur müssen, das tut irgendwie gut.

ich hab es satt, morgen schon wieder unterwegs sein zu müssen, die stunden, der koffer, das schlechte essen, es ist so langweilig geworden. all die öden pflichten der kommenden woche in der alten stadt, die termine mit hausverwaltung, energieversorger, telekombetreiber, die schlüssel, modem, gaszähler, der schmutz in den ecken, die losen türgriffe. meldeamt, arbeitsamt, bank, büro, der kursleiter, dessen firmenhomepage seit monaten nicht erreichbar ist, das erwartbare gezanke mit dem vermieter - man will sich den schädel einrennen an der nächsten gut gekalkten wand.

liquid center

fließende inhalte in starren formen

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