Mittwoch, 3. März 2010

abends im lokal

ich: "... und auf dem weg hierher habe ich gedacht, dass abendliches busfahren in new york sicher aufregend wäre. das ist es in stuttgart halt nicht so."
h. lächelt.
ich: "auf dem iphone sind fotos vom cobenzl und vom kahlenberg, die habe ich mir beim herfahren angeschaut und gedacht, dass dieses wien viel zu schön ist für die wiener."
h. lacht: "das stimmt. ich muss deshalb da wirklich nicht leben. gern immer wieder hinfahren, aber auf dauer? was soll ich dort?"
ich: "mir fehlt ja auch eigentlich nichts konkretes, jetzt mal abgesehen von den freundinnen. es ist mehr der mythos oder der mehrwert, den eine stadt produziert. dafür, dass man es erträgt, mit millionen anderer zusammengepfercht zu werden, bekommt man eine geschichte geschenkt. was man aus diesem pietismus hier für großartige neurosen entwickeln könnte! aber nein, alles straight und sauber. schade."

später im park.
ich: "fehlt dir das nicht, das urbane?"
h.: "was bedeutet das denn? ich finde stuttgart schön mit den hügeln und dem blick von unserem haus. es ist toll, mitten in der stadt zu wohnen, in zehn minuten beim bahnhof zu sein und mit der s-bahn in die arbeit fahren zu können."
ich: "und sonst?"
h.: "du vergisst, dass ich kein stadtmensch bin. stuttgart ist die größte stadt, in der ich je gelebt habe."
ich: "oh."

Dienstag, 2. März 2010

hässliche enten

so gern würd ich eine liste machen, aber zwei gelten nur als paar: hugh laurie und zinedine zidane waren ursprünglich bestenfalls als unattraktiv, ehrlicherweise als richtig hässlich zu beurteilende männer und sind dann auf geheimnisvolle weise zu den kardinalschnitten und spindposterboys mutiert, als die wir sie heute kennen. wie ging dies vor sich? kam irgendwann der stylecoach vorbei? die gute fee mit drei wünschen zusätzlich? jedenfalls bemerke ich, dass schöne menschen mir sympathischer sind, wenn sie früher mal hässlich waren.

(edit: illustrative und lehrreiche bilder suche ich, wenns mich freut, später.)

Montag, 1. März 2010

zwei blicke, drei gesten, ein satz

manes sperbers "wie eine träne im ozean" begleitet mich bis in die träume. mit der figur josmar erlebt man zu beginn die verwirrende uneindeutigkeit der konspirativen arbeit, weiß nicht, wem zu trauen, wem zu glauben ist. dann lernt man andere figuren kennen, voller ideale und blind vor ideologie. der erste tod, den man wahrnimmt, der ist noch schrecklich, doch man gewöhnt sich ans töten und sterben.

ein mann wird hier schnell beschrieben und mit wenigen angaben präzise gezeichnet. gut und böse, stärken und schwächen einens charakters fächern sich sofort auf. so wie der illegale sein gegenüber einordnen und einschätzen können muss, so wird dieses gegenüber auch der leserin präsentiert.

die figuren ähneln niemandem, den ich kenne, und sie bewegen sich in situationen und verhältnissen, die mir völlig fremd sind. aber es ist ein großartiges buch. langweilige literatur ist vielleicht der preis, den wir für die friedlichen zeiten bezahlen, denke ich, und: das ist mir mehr als recht. aber es ich auch ein irrtum zu glauben, wachheit und wahrnehmungsfähigkeit entstünden nur durch die bedrohung des krieges.

(offtopic/metablogging: das fühlt sich hier an, als hätte ich noch nie im leben eine zeile geschrieben.)

liquid center

fließende inhalte in starren formen

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