Dienstag, 6. Januar 2009

die merowinger

Es war sich Pelimbert bis in den untersten Wurzelgrund seines Denkens - den er in seiner Einsamkeit nicht selten erreichte - darüber im Klaren, daß die Art, wie jene Zeit, die nun heraufkam, das Leben betrieb, hierin bis zu einem Grade der Lächerlichkeit gelangt war, auf welchen ein Mensch, dem das blinde Schicksal nun einmal das zur Notdurft Erforderliche zugeworfen hatte, nur damit antworten durfte, daß er sich jeder wie immer gearteten Tätigkeit enthielt, um nicht durch sie eine bereits unwürdige und abstoßende Lächerlichkeit noch zu vermehren. Denn in ihr würde nunmehr, und für eine lange Zukunft, alles und jedes enden müssen: die Ernsthaften und die Arbeitsamen, die Strebsamen und gar die Erfolgreichen und Arrivierten mit allem ihrem Kram. So galt es denn, rechtzeitig jedermann hinauszuwerfen, in gelassener Haltung auf dem Sofa oder vor der leeren Schreibtischplatte zu verweilen, neben jenes oder auf diese die Flasche zu stellen und so zu verharren, gewissermaßen in Mission Null, die einem Menschen heute allein dadurch schon diskret aufgetragen ist, wenn er zu essen bekommt, ohne zu strampeln. So dachte Pelimbert, und hielt sich (wie uns scheint übrigens mit einigem Rechte) keineswegs für einen Nihilisten, sondern eher für einen Bewahrer, der allein damit, daß er der alles zerfressenden Lächerlichkeit seinen Beitrag verweigerte, durchaus genug geleistet zu haben vermeinte.

Freitag, 2. Januar 2009

triest, zwischen den jahren

"eine ganze woche triest?" große augen, überraschtes verziehen des mundes, als würde man zeit vergeuden, wenn man nur spazieren gehen will, essen und aufs meer schauen.

so war das hier: die ersten tage tobte die bora durch die stadt, warf am lungomare bäume um, ließ die fensterrahmen im hotel klappern und machte mir klar, was der reiseführer mit dem wort "unerträglich" meint - als würde die wilde jagd die stadt regieren. strahlendes licht im schlossgarten von miramare, die luft so trocken wie papier.

dann, rechtzeitig zum 31., flaute der sturm ab. wir sonnten uns im diesigen licht, ich verschickte meine neujahrwünsche noch im alten jahr zur mittagszeit. oben am hügel sahen wir dann dem feuerwerk zu. still sind die triestiner, die slowenen, die österreicher, alle, die in diesen tagen in diese alte stadt kommen, um nicht daheim zu sein, auch beim feiern. man sinkt sich hier nicht in die arme.

ich weiß nicht, wie 2009 wird. man wird sehen.

Donnerstag, 18. Dezember 2008

ich lese schmidt liest proust

"ein schwieriger mann ist ein statussymbol", krähte ich vor auch schon wieder fünf jahren, als m. meinte, mich vor sich warnen zu müssen. das fiel mir zuletzt wieder ein, als ich das blog-jetzt-buch von "schmidt liest proust" mit mir durch meine wintertage trug. (das blog hatte ich verpasst, genau so wie ich götzens "klage" verpasst hatte, gut, dass es bücher gibt, ich lese gern im bett.) es fiel mir ein, weil mich irgendwann mittendrin die alte eifersucht packte auf die undurchschaubaren erasmus-spanierinnen und die ganz normalen neurotikerinnen, auf die ewigen mädchen, die nicht wissen, was sie wollen, und auf die königinnen, die einen scheiß drauf geben, ob sie geliebt werden. warum kommt einem das in der beobachtung so groß und bedeutend vor, sich mit einem schwierigen mann die kante zu geben? warum denunziert man sich selbst und kann sich nur in flachen latschen mit schlabberpulli vorstellen, als unerschütterliche pragmatikerin, die in mittlerer stimmlage den satz herausplätschern lässt: "für mich wäre das nichts."?

sie reden halt so schön über ihre einsamkeit. m. konnte das nicht, er schwieg einfach, saß mit den kopfhörern am pc und ließ mich allein. und man denkt immer, wenn einer dann vom alleinsein erzählen kann, versteht er es auch und will es teilen, aber so ist es nicht. die depression ist ihre größere liebe.

h. ist da anders. mit ausnahme seiner exfrauen ist mir noch niemand begegnet, der ihn nicht mag. er fügt sich in jede runde ein und trägt etwas dazu bei, ohne sich vorzudrängen. er ist, mit anderen worten, ungefähr das genaue gegenteil von schwierig. und wenn er geht, kommt er nicht zurück, und warum er bleibt, versteht er zu begründen.

(...)

liquid center

fließende inhalte in starren formen

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