Donnerstag, 1. Juli 2010

Krieg der Kreaturen

Natur ist nichts für Sissies, meine Lieben. Diese Zeugen-Jehovas-Idyllen, in denen junge Menschen aller Hautfarben Lämmer spazieren tragen, haben mit der Realität nicht das Geringste zu tun. In Wahrheit ist es nämlich so:

Erst kommt man als Mensch auf die Idee, Tiere zu häckseln, wieder zusammenzupappen und über das Feuer zu halten. Wahlweise stopft man das Häcksel vorher auch in den eigenen Darm des Viehs. Lecker! Dazu gibt's meuchlings abgetrennte Salathäupel.

Am Abend dann der Gegenschlag: Aus den Armaturen der Dusche, aus den Steckdosen und Spülerkästen schwärmen die Ameisenköniginnen mit ihrem Hofstaat aus und verwandeln die dezent mattgrauen Fliesen in einen lebendigen Teppich aus Juckreiz schon beim Anblick. Drei Tage geht das so, der Inhalt einer ganzen Dose Ameisenspray verpufft im Raum, ohne irgendeinen Eindruck zu hinterlassen, ähnlich wirkungslos bleiben die vier, fünf, sechs Ameisenfallen, die der Herr von der Hausverwaltung aufbaut. Dann muss eben der Mann mit der großen Giftpumpe ran. Schwer schnaufend schiebt er sich und sein Sprühgerät durch die Wohnung und dann ums Haus herum, seicht auch die Bücher am Klofenster ordentlich ein und gibt auf die Frage "Was ist da drin, das die umbringt?" die schöne, aber nicht ganz befriedigende Antwort "Das ist ein Gift speziell gegen Ameisen". Ja, dann.

Die Katzen beeindruckt das alles nicht, sie liegen bei der Hitze ohnehin den ganzen Tag matt unterm Bett oder auf dem Sofa. Auch das Klagen und Schreien der jüngeren punktiert jeden Morgen und muss einen deshalb nicht beunruhigen. Wenn man sie dann im Wohnzimmer aufsucht, kann es allerdings sein, dass ein roter Spritzer das plüschige graue Fell verziert und sie mit ihrer runden Pfote verwirrt ein blutiges Bündel herumschiebt. Zum Glück ist die Maus schon tot und die Katze so satt, dass sie sie nicht gleich auf dem Teppich zerfleischt. Ich beserle den Kadaver weg, was sie noch mehr durcheinanderbringt, aber sie findet sich drein. Wenig später sehe ich sie mit ihrer Kollegin wieder im Garten herumstreifen. Die Alte, sonst eher gelangweilt, will offenbar auch noch einmal wissen, wo diese lustigen Spielsachen herkommen im Krieg der Kreaturen.

Edit: Die Wespen fressen offenbar meine alte Gartenbank, um sich daraus ein neues Nest zu bauen.

Montag, 14. Juni 2010

Wo ist die Summse? Wo is' sie?

Wenn die Nationalmannschaft für Herrenfußball der neuen Heimat schon mal kickt, muss sich natürlich die gesamte Belegschaft der WG mit allen zwölf Haxen vor dem Fernseher versammeln. Während ich versuchte, die saudummen chauvinistischen Kommentare aus dem TV zu ignorieren, war die Katz' stets auf der Hut: Offenbar lauerte irgendwo im Zimmer ein wildgewordener Wespenschwarm, bereit zum Angriff. Dank aufgestellter Ohren und weit aufgerissener Augen wäre Madame jederzeit auf Flucht oder Jagd vorbereitet gewesen. Allein, das Gesummse kam aus einem Stadion in Südafrika, wo Tausende mit Hilfe ihrer Tröten ein anhaltendes, eher sehr nervtötendes Geräusch produzierten. Aber erklären Sie das einmal so einem Tier.

Sonntag, 13. Juni 2010

Wie - Zwangsneurose?

Ich weiß, es wird nicht mehr lange dauern und ich sortiere meine T-Shirts nach dem Farbrad. Schon jetzt stört es mich, dass die unterschiedlichen Modelle meiner Kleiderbügel nicht alle die gleiche Fasson haben. Hemden zum Beispiel - jetzt hängen die einerseits auf diesen hervorragenden schmalen gummierten Drahtbügeln, andererseits auf den fiesen Putzereitriangeln. Wie sieht denn das aus! Dass ein einzelner weißer Plastikkleiderbügel sofort in die Tonne wandert, ist auch klar. (Wo kommt der überhaupt her?) Das soll aber nicht heißen, dass ich unflexibel bin. Ich kann ohne weiteres Westen und Pullunder auf einen Stapel legen, schließlich gilt für beide: Bitte was drunterziehen.

Vielleicht kein so gutes Beispiel.

Ich meine, seit Monaten habe ich es aufgeschoben, den Kasten aufzuräumen. Eigentlich war es seit dem Umzug nie so, wie ich das mag: schön gestapelt und mit einer konsistenten inneren Logik. Zuletzt habe ich die Sachen ohnehin nur mehr hineingeschmissen und schnell die Tür zugemacht. So konnte das nicht bleiben. Das Schachteldepot im obersten Fach musste zwar dran glauben ("Vielleicht kann man noch mal Geschenke darin einpacken?" - Ja, eh.), dafür ging dann aber auch endlich der alte Bademantel den Weg aller Fetzen, gemeinsam mit noch einem halben Müllsack voller überraschend scheußlicher Sachen, die man überraschenderweise mal gut fand.

Dass ich jetzt daheim sitze und warte, bis der H. kommt, nur um ihn direkt von der Wohnungstür ins Ankleidezimmer zu führen und triumphierend die Kastentüren aufzuziehen, hat sicher nichts zu bedeuten. Auch nicht, dass er schon in meiner alten Wohnung manchmal vor dem offenen Kasten stand und leise murmelte: "Das macht mir Angst."

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