michi hollerbeck
... hat ein neues buch geschrieben, die möglichkeit einer insel heißt es oder so, und im bücher magazin, der neuen post für die frau mit zweitbuch, hat herr houellebecq (denn um diesen handelt es sich) aus diesem anlass ein paar wortspenden abgegeben.
ich muss sagen, seit ich seine bücher nicht mehr lese, ist h. mir wieder sehr sympathisch. im ernst, er ist intelligent, witzig, ein wenig selbstverliebt vielleicht, aber vielleicht mag ich ihn auch nur, weil er so scheiße aussieht. auf dem foto in der besagten zeitschrift trägt er eine jean mit bundfalten - muss ich mehr sagen? es ist ihm offensichtlich egal, es macht ihm offenbar sogar spaß. das taugt mir irgendwie. das beste, was das 20. jahrhundert gebracht hat: der vertrieb. man kann unendlich lang diskutieren, ob das leben früher besser war. es ist aber zweifellos besser, heute zu konsumieren, als je zuvor. super organisiert. ich seh ihn richtiggehend grinsen.
als plattform erschienen ist, hat der verlag die jünger und -innen zu einer lesung mit dem autor in den rabenhof gerufen, und ich muss sagen, es war ein erlebnis. ich selbst habe aufgrund katholischer herkunft ja durchaus eine neigung zur gruppenhysterie, aber was da abging, war doch zuviel. die hornbrillendichte war überdurchschnittlich (natürlich trage ich auch so ein ding), und eine halbe stunde vor beginn war schon das ganze haus in heller aufregung. alles war nervös, als käme gleich der messias. ich weiß noch, dass mir im foyer eine frau gegenüber saß, die hektisch in elementarteilchen blätterte und, wenn man ihren aufzug berücksichtigt, offenbar wild entschlossen war, dem autor die freuden wiens persönlich näher zu bringen.
nach einer zweisprachigen lesung und einer pause, in der der autor dem alkohol zusprach (zum beweis, corporate identity und so, brachte er im zweiten teil die fast leere flasche mit auf die bühne), gab's fragestunde mit einem verlagsmenschen und dem publikum. blabla, was houellebecq halt immer gefragt wird, aber dann stand einer auf und sagte, mit eigentlich ganz fester stimme, aber hörbar aufgeregt, er kenne das auch, die lebensangst, die todesangst, die angst zu lieben, und ob h. vielleicht ein rezept dagegen habe.
das publikum wird unruhig.
das geht daneben, sage ich zur m. neben mir.
der verlagsmensch schlägt die beine übereinander.
die dolmetscherin beugt sich wieder zum autorenohr und flüstert.
plötzlich kommt in den h., der bis dahin auf alle fragen mit genuscheltem französisch geantwortet hatte, sowas wie leben. er richtet sich ein wenig auf und sagt auf englisch direkt ins publikum, dass er den frager leider wegen der beleuchtung nicht sehen könne, sucht dann noch eine antwort, die aber schon im allgemeinen gemurmel untergeht, der verlagsmensch fragt schnell, ob sonst noch jemand lebenshilfe wünsche, und h. verstummt schon wieder.
das ist jetzt dreieinhalb jahre her. damals war ich ganz beseelt von dem wunder, dass ein depressiver zeichen von interesse an einem anderen menschen zeigte. - nein, so böse meine ich es nicht. ich weiß noch, wie die stimmung im publikum sich verändert hatte, von der oben beschriebenen durchdreherei hin zu einer freundlichen sympathie für einen autor, der es vielleicht geschafft hat, sein leben irgendwie in den griff zu kriegen. das war gut.
ausweitung der kampfzone freilich hat mich einen monat lebenszeit gekostet, in der ich deprimiert durch die stadt schlich und mich sehr tragisch antriebslos fühlte. seither lese ich nur mehr bücher, die zumindest ein wenig licht und/oder leben haben. bei aller liebe -.
ich muss sagen, seit ich seine bücher nicht mehr lese, ist h. mir wieder sehr sympathisch. im ernst, er ist intelligent, witzig, ein wenig selbstverliebt vielleicht, aber vielleicht mag ich ihn auch nur, weil er so scheiße aussieht. auf dem foto in der besagten zeitschrift trägt er eine jean mit bundfalten - muss ich mehr sagen? es ist ihm offensichtlich egal, es macht ihm offenbar sogar spaß. das taugt mir irgendwie. das beste, was das 20. jahrhundert gebracht hat: der vertrieb. man kann unendlich lang diskutieren, ob das leben früher besser war. es ist aber zweifellos besser, heute zu konsumieren, als je zuvor. super organisiert. ich seh ihn richtiggehend grinsen.
als plattform erschienen ist, hat der verlag die jünger und -innen zu einer lesung mit dem autor in den rabenhof gerufen, und ich muss sagen, es war ein erlebnis. ich selbst habe aufgrund katholischer herkunft ja durchaus eine neigung zur gruppenhysterie, aber was da abging, war doch zuviel. die hornbrillendichte war überdurchschnittlich (natürlich trage ich auch so ein ding), und eine halbe stunde vor beginn war schon das ganze haus in heller aufregung. alles war nervös, als käme gleich der messias. ich weiß noch, dass mir im foyer eine frau gegenüber saß, die hektisch in elementarteilchen blätterte und, wenn man ihren aufzug berücksichtigt, offenbar wild entschlossen war, dem autor die freuden wiens persönlich näher zu bringen.
nach einer zweisprachigen lesung und einer pause, in der der autor dem alkohol zusprach (zum beweis, corporate identity und so, brachte er im zweiten teil die fast leere flasche mit auf die bühne), gab's fragestunde mit einem verlagsmenschen und dem publikum. blabla, was houellebecq halt immer gefragt wird, aber dann stand einer auf und sagte, mit eigentlich ganz fester stimme, aber hörbar aufgeregt, er kenne das auch, die lebensangst, die todesangst, die angst zu lieben, und ob h. vielleicht ein rezept dagegen habe.
das publikum wird unruhig.
das geht daneben, sage ich zur m. neben mir.
der verlagsmensch schlägt die beine übereinander.
die dolmetscherin beugt sich wieder zum autorenohr und flüstert.
plötzlich kommt in den h., der bis dahin auf alle fragen mit genuscheltem französisch geantwortet hatte, sowas wie leben. er richtet sich ein wenig auf und sagt auf englisch direkt ins publikum, dass er den frager leider wegen der beleuchtung nicht sehen könne, sucht dann noch eine antwort, die aber schon im allgemeinen gemurmel untergeht, der verlagsmensch fragt schnell, ob sonst noch jemand lebenshilfe wünsche, und h. verstummt schon wieder.
das ist jetzt dreieinhalb jahre her. damals war ich ganz beseelt von dem wunder, dass ein depressiver zeichen von interesse an einem anderen menschen zeigte. - nein, so böse meine ich es nicht. ich weiß noch, wie die stimmung im publikum sich verändert hatte, von der oben beschriebenen durchdreherei hin zu einer freundlichen sympathie für einen autor, der es vielleicht geschafft hat, sein leben irgendwie in den griff zu kriegen. das war gut.
ausweitung der kampfzone freilich hat mich einen monat lebenszeit gekostet, in der ich deprimiert durch die stadt schlich und mich sehr tragisch antriebslos fühlte. seither lese ich nur mehr bücher, die zumindest ein wenig licht und/oder leben haben. bei aller liebe -.
gingerbox - 18. Aug, 20:30
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